Regenerative Karrieregestaltung ist mehr als Work-Life-Balance. Sie fragt, wie Arbeit langfristig tragen kann, ohne auszuzehren. Dieser Beitrag erklärt, was das Konzept bedeutet, wie das IKIGAI-Modell dabei als Orientierung dienen kann und was regeneratives Karrierecoaching in der Praxis leistet. Zwei anonymisierte Geschichten aus dem Coaching zeigen: Der Weg zu einer erfüllenden Karriere beginnt oft nicht mit einem neuen Job, sondern vielmehr mit einer anderen Haltung zur eigenen Arbeit.
Die einfache Frage
Für mich beginnt die regenerative Karrieregestaltung oft mit einer einfachen Frage: Wie will ich eigentlich arbeiten?
Nicht nur: Was will ich tun. Sondern auch: Wie will ich dabei leben.
Regenerative Karrieregestaltung bedeutet dabei, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und dem Rest des Lebens zu finden. Es bedeutet, die meiste Zeit einen Sinn und Zweck im Job zu spüren. Einer größeren Mission zu folgen; einer Mission, die zu deinen eigenen Werten passt.
Die Arbeit darf Spaß machen. Sie darf Erfüllung bringen.
Und gleichzeitig: Es braucht immer wieder Zeiten der Erholung. Echte Pausen. Keine halbherzigen Wochenenden oder Urlaube, in denen man innerlich weiterarbeitet.
Denn das Bild des Workaholics, der Begriff kommt mir dabei immer wieder in den Sinn, zeigt vielleicht das Gegenteil von dem, was wir eigentlich wollen. Leisten und produktiv sein, ja. Aber nicht auf Kosten der eigenen Kapazitäten.
IKIGAI: Ein Konzept, das dazu passt
Wenn ich über regenerative Karrieren nachdenke, denke ich oft auch an das Konzept des IKIGAI. Sowohl in seiner fernöstlichen als auch in seiner westlichen Form.
Das westlich geprägte und deutlich jüngere Konzept des IKIGAI folgt einer klaren Struktur. Es fragt: Was liebst du? Worin bist du gut? Was braucht die Welt? Und womit kannst du deinen Lebensunterhalt verdienen? Im Schnittpunkt dieser vier Kreise liegt, so das westliche Verständnis, dann der Sweetspot bzw. das eigene IKIGAI.
Das japanische Konzept hingegen folgt einer anderen Logik. Weniger Struktur, mehr Haltung. Es geht nicht primär um Optimierung; sondern um einen ausgewogenen Lebensstil. Um das kleine Wozu des Alltags. Den Grund, morgens aufzustehen.
Beide Sichtweisen haben ihren Wert. Und beide zeigen: Sinn entsteht nicht nur durch mehr Leistung, sondern durch mehr Ausrichtung.

Aus der Praxis
Zwei Menschen, zwei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen. Und doch dasselbe Grundthema.
„Ist das jetzt alles?“
Sie hatte einen Job, der funktionierte. Sicher, ordentlich bezahlt, keine großen Konflikte. Aber innerlich längst woanders. Schon eine Weile beschäftigte sie sich mit Fragen rund ums erfüllte Arbeiten und Leben. Sie las, reflektierte, probierte Dinge aus. Die Philosophie war ihr nicht fremd. Was fehlte, war die Richtung.
Im Coaching arbeiteten wir heraus, was wirklich für sie zählte. Nicht als Konzept, sondern als gelebte Haltung. Am Ende unseres Prozesses hatte sie eine Weiterbildung absolviert, erste eigene Projekte auf den Weg gebracht und eine neue berufliche Rolle gefunden. Eine Rolle, die sich richtig anfühlte und zu ihr passte. Weil sie um etwas Größeres kreiste: Um Menschen, denen es weniger gut geht. Um einen echten Beitrag. On Top konnte sie nun wirklich ihre identifizierten Stärken einbringen.
Der alte Job war Mittel zum Zweck gewesen. Das hier war mehr.
Erschöpft, aber noch nicht angekommen
Er war selbständig, hatte ein kleines Team aufgebaut und merkte irgendwann, dass etwas nicht stimmte. Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kündigten. Er nahm es ein wenig persönlich. Und das Interessanteste: Er hatte kaum Zeit, war angespannt und merkte, so kann es nicht weitergehen.
Als wir zusammenarbeiteten, ging es gar nicht um Strategie. Es ging ums Innehalten und Zuhören: Dem Team, aber vor allem sich selbst zuzuhören. Er begann, regelmäßige Teammeetings zu führen, echte Gespräche zu suchen, andere Perspektiven zuzulassen. Und er stellte sich eine Frage, die er lange verdrängt hatte: Was raubt mir Energie und was gibt mir Energie? Wofür bin ich dankbar? Er änderte spürbar den Fokus.
Was im Innen begann, zeigte sich bald auch im Außen. Ein Jahr später hat er mehr Teammitglieder als zuvor, arbeitet und lebt gesünder und wirkt, wie jemand, der angekommen ist. Weil er begann sich echte Zeit für sich zu nehmen und für das, was ihm wirklich wichtig ist.
Was bedeutet regeneratives Karrierecoaching?
Regeneratives Karrierecoaching fragt nicht zuerst nach dem nächsten Schritt. Es fragt nach dem, was erfüllt und trägt.
Was gibt mir Energie und was zieht sie mir ab? Wo folge ich wirklich meiner eigenen Richtung und wo laufe ich womöglich einem Bild von Erfolg hinterher, das gar nicht meins ist?
Im Coaching bedeutet das: Wir schauen nicht nur auf Ziele und Meilensteine. Wir schauen auf das Fundament. Auf die innere Haltung, aus der heraus Entscheidungen entstehen. Auf die Muster, die sich wiederholen: In Jobs, in Teams, in der Art, wie jemand mit sich selbst umgeht, wenn es schwierig wird.
Regenerativ arbeiten heißt dabei nicht „ständig in Balance“. Das wäre unrealistisch und zu kurz gedacht. Es heißt vielmehr, sich immer wieder erneuern können. Aus der Erschöpfung herausfinden – immer schneller und aus eigener Kraft. Den Faden zurück zu sich selbst aufnehmen auch dann, wenn man ihn eine Weile verloren hat.
Das ist keine einmalige Arbeit. Es ist eine Praxis, die wir im Coaching individuell erarbeiten, damit du dann für dich selbst die Routinen aufbauen kannst, die dir nachhaltig gut tun.
Diese Praxis beginnt meistens mit zwei Fragen, die ich dir gern mitgebe:
Wann habe ich zuletzt gearbeitet und dabei wirklich gespürt: Das bin ich! Das ist meins!
Was bräuchte ich, um öfter in diesen Zustand zu kommen?
Falls dich diese Fragen inspirieren und du denkst, dass du meine Begleitung gebrauchen kannst, lass uns gern sprechen. Buch dir einen Termin zum Erstgespräch.
